Wenn Handschweiß Probleme macht ...

Natürliches Schwitzen und Handschweiß

Gerät der Mensch ins Schwitzen, kann es schon mal feuchte Hände, sprich Handschweiß geben. Unangenehm nur, wenn man dann ausgerechnet anderen die Hand geben soll oder mit von Handschweiß feuchten Händen in Schutzhandschuhen arbeiten muss ...

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An sich ist das Schwitzen ein ganz natürlicher Vorgang, der zur Regulation der körpereigenen Temperatur dient. An den Handinnenflächen sitzen – ähnlich wie an den Fußsohlen – besonders viele Schweißdrüsen. Die werden zum Beispiel bei körperlicher Anstrengung oder sommerlicher Hitze aktiv und produzieren Handschweiß. Müssen wir nicht gerade etwas in den Händen halten, fällt der Handschweiß eventuell gar nicht unangenehm auf. Aber sobald man Werkzeuge oder Sportgeräte festhalten will, kann das schwierig werden. Bei vielen Sportarten sind daher Handschuhe angesagt, damit Handschweiß nicht die Leistungen beeinträchtigt.

Früher trugen sogar die Herren beim Wiener Opernball Handschuhe, damit sie mit ihrem Handschweiß keinen Schaden an den wertvollen Seidenkleidern ihrer Tanzpartnerinnen anrichten konnten.

Auch Stress und Nervosität bringen zum Schwitzen, allerdings ist nicht jede Art von Handschweiß plausibel zu erklären. Wer unter einer Überaktivität des vegetativen Nervensystems beziehungsweise einer Überfunktion der Schweißdrüsen leidet, kennt plötzlichen und überdurchschnittlich viel Handschweiß als erhebliche Beeinträchtigung im Alltag.

Unmäßiger Handschweiß als Fehlfunktion der Schweißdrüsen

Eine Überaktivität des vegetativen Nervensystems und der Schweißdrüsen gelten als Ursachen für eine gesteigerte Produktion von Handschweiß. Der medizinisch korrekte Ausdruck für überdurchschnittlichen Handschweiß ist Hyperhidrosis palmaris. Betrifft das vermehrte Schwitzen die gesamte Haut, spricht man von genereller Hyperhidrose. Lokalisierte Überfunktionen treten – neben übermäßigem Handschweiß in den Handinnenflächen – auch in Form von vermehrter Schweißbildung in den Achselhöhlen (Hyperhidrose axiliaris) und an den Füßen (Hyperhidrosis plantaris) auf.

Verglichen mit der Hyperhidrose der Achselhöhlen und der Füße gilt überdurchschnittlicher Handschweiß als psychisch am meisten belastend. Zudem ist die Überproduktion von Handschweiß vergleichsweise schwer therapierbar. Im Alltag lässt sich der ungesunde Handschweiß schlecht vor anderen verbergen, was auch die Berufs- und Partnerwahl erschwert. Allgemein wird Handschweiß oft als Mangel an Selbstbewusstsein und Stärke interpretiert.

Dementsprechend hoch ist der psychosoziale Druck, dem sich Personen ausgesetzt fühlen, die unter starkem Handschweiß leiden. Nicht selten sehen sie den Rückzug aus Alltag und Beruf als einzigen Ausweg, um Situationen wie beispielsweise dem Händeschütteln mit vor Handschweiß tropfnasser Haut nicht ausgesetzt zu sein. Denn Stress und Angst sind nicht nur konkrete Auslöser für Handschweiß. Auch die Angst davor kann den Handschweiß weiter verstärken – aus Angst vor den unkontrollierbaren Schweißausbrüchen folgt weiteres Schwitzen. Der ungesunde Handschweiß wird zum Teufelskreis.

Stark geschwitzte Hände sehen außerdem oft schmutzig aus, denn Umgebungsschmutz wie Staub, Fusseln und Fasern heftet sich automatisch an die von Handschweiß durchnässten Hände.

Handschweiß-Diagnose

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Erster Hinweis für eine Hyperhidrose palmaris ist das lokal beschränkte Auftreten von Handschweiß, ohne extreme Schweißproduktion an anderen Körperarealen. Mittels einer Jodtinktur wird der Handschweiß sichtbar gemacht. Die Intensität der Farbveränderung zeigt, wo die individuelle Ausprägung des Handschweißes am stärksten ist. Der Arzt kann außerdem durch eine sogenannte Gravimetrie messen, wie heftig der Handschweiß pro Minute ist.

Therapien bei übermäßigem Handschweiß

Abhängig von der Diagnose stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten bei Handschweiß zur Verfügung, viele von ihnen sind unbefriedigend, werden wegen Nebenwirkungen abgebrochen oder müssen teuer bezahlt wie zum Beispiel die Injektion von Botulinumtoxin (Botox) in die Handinnenflächen. Das Gift blockiert die Schweißdrüsen für die Dauer von fünf bis acht Monaten. Danach beginnt die übermäßige Produktion von Handschweiß wieder. Fünf bis zehn Prozent der Menschen mit Handschweißproblemen spricht gar nicht auf die Behandlung an.

Bei der Gleichstrom-Therapie, der Iontophorese werden die Hände in ein Salzbad getaucht, dem gleichzeitig über Elektroden ein schwacher Gleichstrom zugeführt wird. Die Behandlung ist bei Handschweiß möglich, ihre Wirkungsweise ist jedoch nicht eindeutig geklärt. Anzunehmen ist, dass die für den Handschweiß verantwortlichen Schweißdrüsenzellen gehemmt werden. Auch diese Therapie muss regelmäßig wiederholt werden.

Trotz hohem Leidensdruck scheuen die meisten Menschen vor der sogenannten Sympathektomie zurück. Dabei werden während einem chirurgischen Eingriff jene Nervenverbindungen unterbrochen, welche die Schweißdrüsen zur Produktion des Handschweißes anregen. Nur wenige Kliniken sind auf eine minimal-invasive Methode spezialisiert.

Eine rein medikamentöse Therapie als Hilfe gegen den ungesunden Handschweiß gibt es nicht. Behandlungen mit reinem Aluminiumchlorid bei starkem Handschweiß müssen oft wegen Hautunverträglichkeiten abgebrochen werden.

Handschweiß in Schutzhandschuhen

In vielen Berufen sind heute Schutzhandschuhe Pflicht. Die schützen zwar die Haut erfolgreich vor der Berührung mit giftigen Substanzen. Vielfach aber kommt es zu Problemen mit Handschweiß, der in den Handschuhen nicht mehr verdunsten kann. Das passiert selbst bei ganz normaler und eigentlich gesunder Produktion von Handschweiß. Denn die Haut wird unter dem Schutzhandschuh durch den Handschweiß aufgeweicht und damit sensibel für Allergien, Kontaktekzeme, Risse, Juckreiz und andere Hautprobleme.

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